Dieses Herz

Es ist in dir und gleichzeitig da draußen.

Leer und gleichzeitig gefüllt.

Gebrochen und trotzdem heil.

Es ist da, regt sich und ist prall gefüllt.

Mit Gefühl. Mit Liebe. Mit Mut. Mit Schöpferkraft. Mit Trauer. Mit Angst. Mit Vermissen. Mit Sehnsucht.

Ideen, Wünsche und Bedürfnisse sind hier verwurzelt, suchen ihren Weg in die Welt.

Dieses Herz spricht. Mal laut, mal leise. Mal zögernd, mal fordernd. Manchmal verstehst du seine Sprache nicht. Sicher ist nur:

Dieses Herz ist frei und sanft und mutig und kreativ. Wild und still.

Voller Bilder und Geschichten und Farben.

Es will all das in die Welt fließen lassen.

Unvollkommen und trotzdem bereichernd.

Es will lieben und geliebt werden.

Es will umarmen und streiten und lachen und weinen und reden und schweigen.

Dieses Herz will leben.

Text/Zeichnung/Fotos: Manuela Sies/Ideenfüle

dav

Glückstück #12: Holz, Farbe

Die Hände, die über Holz streifen, es erkunden. Seine Adern und Dellen und Macken. Sie bearbeiten es, entlocken eine neue Schicht. Doch auch sie bleibt nicht, wie sie ist. Denn dann kommen die Farben. Lassen das Holz eine neue Geschichte erzählen. Eine neue Gestalt annehmen.

Was von mir verstreut war, fügt sich wieder zusammen. Ist ganz präsent. Fließenlassen und Beobachten, wie sich alle Teile zu einem neuen, lebendigen Ganzen fügen, das zum Teil des Lebens, meines Lebens wird.

Dazu Gesellschaft, sie kommt auf leisen Sohlen. Unvoreingenommen. Still. Und trotzdem da. Alles Wichtige ist an seinem Platz. Jetzt. Nach langer Zeit. Erfüllung.

Stille Kriegerin

Sie steht da, vor dem Leben.

Mit allem was sie ist und nicht ist. Hat fremde Hüllen fallen lassen.

Sie steht da, barfuß auf der Erde, die Haare im Wind. Schaut gleichzeitig in die Welt und horcht nach innen, in ihr Herz.

Ihre Kraft ist das Erdig-Fließende. Sie sieht Verbindungen, feine Nuancen. Nimmt Energien und erschafft daraus etwas Neues.

Sie ist fließend wie das Wasser, sucht sich klar ihren Weg. Sie ist schöpferisch wie die Erde, lässt aus sich heraus Neues wachsen.

Manchmal ist sie still, ruhig an der Oberfläche. Aber sie entfacht das Feuer, wenn sie es braucht. Eine Löwin, die sich leidenschaftlich ihren Weg bahnt.

Entstanden zum Zufallsprodukt „Stille Kriegerin“. Zeichnung und Text: Manuela Sies (2021)

Pistaziensommer

Das Nachtgelächter aus fremden Gärten läutet den Pistaziensommer ein. Leben. Das Herz und die Seele atmen auf. Licht und Wärme tanken, die Haut riecht nach Sonne und Meersalz. Alles ist farbensatt und duftschwanger und lebt.

Das Gesicht wendet sich der Sonne zu. Die Haare werden ganz hell und wehen im Wind oder treiben im Wasser. Die Hände sammeln Kräuter und Beeren und Blumen, manchmal Muscheln. Oder sie hängen faul aus der Hängematte. Barfuß durch kurzes Gras gehen. Füße, die Halme spüren und darunter die warme, trockene Erde. Erdbeersaft sammelt sich auf der Zunge, mogelt sich in Mundwinkel. Eis tropft aus der Waffel.

Es wird gefühlt nie dunkel, nur die Vögel sagen „Guten Morgen“ oder „Gute Nacht“. Lange draußen bleiben, bis die Luft sich kühl auf die Arme legt. Kerzenschein, vielleicht ein Feuer. Sternegucken. Geschichten, die nur in der blauen Stunde erzählt werden.

Wild.Frei.

Entstanden bei einem der wunderbaren Online-Schreibworkshops von Marion und ihrer Werkstatt Freude. Mit Wortgeschenken von Ulrike und Marion – danke dafür, ihr wisst welche 😉

Inner Core – Geschichte eines Bildes

Es gibt ein Bild, das mich schon lange begleitet und im Entstehen ist. Sie ist schon einmal mit mir umgezogen und ist weiter im Werden. Das ist ihre Geschichte.

Sie ist geboren aus der Erde, als zarte Faser eines Keimes, der sich in den Himmel reckt.

Die Wurzeln greifen in die Erde. Verankerung. Die Krone schwingt sich in den Himmel. Vertrauen. Zwischen beiden Polen ein Fluss aus Wachsen, Fühlen und Erfahren.

Sie wächst mit dem Ganzen, Jahr führ Jahr. Aus sich selbst heraus. Dabei Verbunden mit sich, ihrem großen Ganzen und der Schöpfung um sie herum. Elemente und Besucher hinterlassen ihre Spuren. Außen wie innen.

Erinnerung für Erinnerung, Erfahrung für Erfahrung. Sie hinterlassen eine fließende Marmorierung, die nur sie in sich trägt. Ihr Kern.

Ideenfülle/M. Sies „Inner Core“

Dann kommt die Veränderung. Die Wucht trennt sie von ihren Wurzeln, ihrem Platz. Heraus aus ihrem Ganzen. Sie soll Teil von etwas anderem werden. Eines von vielen Teilen in einem Werk. Ein Schiff, das durch die Wellen und den Wind pflügt. Sie soll neu geformt und zurechtgebogen werden, um zu passen für diese Aufgabe.

Doch dabei bricht sie. Nahe an ihrem Kern. Da steht sie nun, unbrauchbar für den neuen Zweck. Eine ganze Weile steht sie nur da. Nach allem was war und ohne etwas, das kommt. Sie spürt den Riss, der ihren Kern begrenzt. Sie lässt ihn da sein.

Eine Weile zeigt sich nur der Riss. Doch dann, bei genauem Hinsehen und -fühlen, ist da noch mehr. Farben beginnen zu fließen und sie werden sichtbar, die feinen, fließenden Linien ihres Kerns. Sie schmiegen sich an den Riss, er ergänzt sie. Wird zu einem Teil ihres Kerns. Vielleicht ist er nicht mehr heil, aber vollkommen. Bereichert durch eine neue Nuance.

Ideenfülle/ M. Sies „Inner Core“

Sie verändert ihre Gestalt. Hat es schon immer getan. Und sie wird es immer wieder tun. Ich beschäftige mich damit. Mit ihr. Halte Zwiesprache. Bilde mir ein, ihr Wesen mit Farben zu malen. Sie bleibt schwer fassbar.

Manchmal denke ich, sie müsste sich doch jetzt vollenden lassen. ICH müsste sie vollenden. Aber ich will beweglich bleiben, mit ihrer Unfassbarkeit spielen. Ich lege mein Wollen und die Farben beiseite, gebe ihr eine Gestalt aus Worten. Vielleicht wird sie nie fertig. Aber vielleicht geht es darum auch nicht.

Ideenfülle/Manuela Sies „Inner Core“

Glückstück #4: Der Schnee und das Kind

Verrückt. Dieses „Glückstück“ habe ich vor ziemlich genau vier Jahren zum ersten Mal veröffentlicht, am 15. Januar 2017. Heute, an einem ganz anderen Ort, in einer ganz anderen Zeit, teile ich es nochmal mit euch. Weil der Schnee und das Kind sich heute wiedertreffen….

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