Stille Kriegerin

Sie steht da, vor dem Leben.

Mit allem was sie ist und nicht ist. Hat fremde Hüllen fallen lassen.

Sie steht da, barfuß auf der Erde, die Haare im Wind. Schaut gleichzeitig in die Welt und horcht nach innen, in ihr Herz.

Ihre Kraft ist das Erdig-Fließende. Sie sieht Verbindungen, feine Nuancen. Nimmt Energien und erschafft daraus etwas Neues.

Sie ist fließend wie das Wasser, sucht sich klar ihren Weg. Sie ist schöpferisch wie die Erde, lässt aus sich heraus Neues wachsen.

Manchmal ist sie still, ruhig an der Oberfläche. Aber sie entfacht das Feuer, wenn sie es braucht. Eine Löwin, die sich leidenschaftlich ihren Weg bahnt.

Entstanden zum Zufallsprodukt „Stille Kriegerin“. Zeichnung und Text: Manuela Sies (2021)

Inner Core – Geschichte eines Bildes

Es gibt ein Bild, das mich schon lange begleitet und im Entstehen ist. Sie ist schon einmal mit mir umgezogen und ist weiter im Werden. Das ist ihre Geschichte.

Sie ist geboren aus der Erde, als zarte Faser eines Keimes, der sich in den Himmel reckt.

Die Wurzeln greifen in die Erde. Verankerung. Die Krone schwingt sich in den Himmel. Vertrauen. Zwischen beiden Polen ein Fluss aus Wachsen, Fühlen und Erfahren.

Sie wächst mit dem Ganzen, Jahr führ Jahr. Aus sich selbst heraus. Dabei Verbunden mit sich, ihrem großen Ganzen und der Schöpfung um sie herum. Elemente und Besucher hinterlassen ihre Spuren. Außen wie innen.

Erinnerung für Erinnerung, Erfahrung für Erfahrung. Sie hinterlassen eine fließende Marmorierung, die nur sie in sich trägt. Ihr Kern.

Ideenfülle/M. Sies „Inner Core“

Dann kommt die Veränderung. Die Wucht trennt sie von ihren Wurzeln, ihrem Platz. Heraus aus ihrem Ganzen. Sie soll Teil von etwas anderem werden. Eines von vielen Teilen in einem Werk. Ein Schiff, das durch die Wellen und den Wind pflügt. Sie soll neu geformt und zurechtgebogen werden, um zu passen für diese Aufgabe.

Doch dabei bricht sie. Nahe an ihrem Kern. Da steht sie nun, unbrauchbar für den neuen Zweck. Eine ganze Weile steht sie nur da. Nach allem was war und ohne etwas, das kommt. Sie spürt den Riss, der ihren Kern begrenzt. Sie lässt ihn da sein.

Eine Weile zeigt sich nur der Riss. Doch dann, bei genauem Hinsehen und -fühlen, ist da noch mehr. Farben beginnen zu fließen und sie werden sichtbar, die feinen, fließenden Linien ihres Kerns. Sie schmiegen sich an den Riss, er ergänzt sie. Wird zu einem Teil ihres Kerns. Vielleicht ist er nicht mehr heil, aber vollkommen. Bereichert durch eine neue Nuance.

Ideenfülle/ M. Sies „Inner Core“

Sie verändert ihre Gestalt. Hat es schon immer getan. Und sie wird es immer wieder tun. Ich beschäftige mich damit. Mit ihr. Halte Zwiesprache. Bilde mir ein, ihr Wesen mit Farben zu malen. Sie bleibt schwer fassbar.

Manchmal denke ich, sie müsste sich doch jetzt vollenden lassen. ICH müsste sie vollenden. Aber ich will beweglich bleiben, mit ihrer Unfassbarkeit spielen. Ich lege mein Wollen und die Farben beiseite, gebe ihr eine Gestalt aus Worten. Vielleicht wird sie nie fertig. Aber vielleicht geht es darum auch nicht.

Ideenfülle/Manuela Sies „Inner Core“

Glückstück #7: Eine Insel

Mein heutiges Stück vom Glück ist meine ganz persönliche kleine Insel in der Woche, ein kleines Ritual:

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